Geschichten aus der Praxis – Der kalte Po

 -eine kleine Anekdote wie individuelle Empfindungen uns zum Mittel führen können-

Anfang letzten Jahres kontaktierte mich eine neue Patientin. Sie litt unter depressiver Verstimmung und nahm an, es würde mit ihrer Schilddrüsenunterfunktion zusammenhängen. Ihre Ärztin hatte ihr gesagt, dass könne nicht homöopathisch behandelt werden, aber sie wollte es trotzdem versuchen. Aus meiner Sicht sprach nichts dagegen.

Wir machten eine gründliche Erstanamnese und ich sammelte fleißig alle Angaben, die mir für die Mittelfindung helfen könnten. Abends überarbeitete ich den Fall und stellte fest, dass es nur unzureichend individuelle Symptome gab, so dass ich mich nicht eindeutig für ein Mittel entscheiden konnte. Ich suchte akribisch und stieß auf die Aussage „Ich habe immer einen kalten Po.“ Lange überlegte ich, wie dies wohl in ein mögliches Fallverständnis passen könnte. Und tatsächlich – ich fand ein Mittel mit venöser Stauung im Bereich des Abdomens und Unterleibs. Es deckte auch den Rest des Falles, und ich verschrieb sepia C30. Schon 6 Wochen später ging es der Patientin bezüglich ihres Gemütszustandes besser, nach weiterer 3-monatiger Behandlung berichtete sie mir freudig, dass ihre Blutwerte wieder im Normbereich lagen.

Und ein weiterer Zustand hatte sich ergeben, die junge Frau war schwanger mit ihrem zweitem Kind. Die erste Geburt war trotz großer Vorfreude und Offenheit sehr schwer verlaufen. Die Wehen wollten sich nicht recht entwickeln und halten, so dass es nach langem Hoffen und Kampf doch noch zu einem Kaiserschnitt kam.

In unseren Folgekonsultationen sprachen wir natürlich auch über die Schwangerschaft und die kommende Geburt. Ich hatte das Mittel sepia auch wegen der schwachen Wehen bei der ersten Niederkunft gewählt und wollte doch meinen, dass bei positivem Fallverlauf wie bisher geschehen auch die Wehen diesmal stärker sein sollten. Uns so sollte es sein, der kleine Erdenbürger kam auf natürlichem Weg auf die Welt und die Mama war glücklich. ; )

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